Saturday, May 23, 2009

Horst Köhler, die Politikverdrossenheit, Wolfsburg, Pringles ...

Tja, nun ist es soweit: Horst Köhler ist für weitere fünf Jahre Staatsoberhaupt ... er hat mit der erdenklich knappsten Mehrheit gegen Gesine Schwan gewonnen. Erst einmal ihm herzlichen Glückwunsch und Frau Schwan allen Respekt und ein aufmunterndes: "in der Demokratie geht es immer weiter"!

Also noch fünf Jahre unter einem "Finanzpräsidenten" ... Herr Köhler war ja bis 2004 Präsident des IWF (siehe Biographie in Wikipedia: Horst Köhler), ja, ganz genau der Institution, die den Neoliberalismus als weltweites Finanzsystem einführen wollte, u.a. mit der Konsequenz des Staatsbankrotts 2001 von Argentinien. Ob das Herrn Köhler unmittelbar zuzuschreiben ist, wage ich zu bezweifeln, aber dass er zumindest einen Teil der Verantwortung dafür trug ist (für mich) ausser Zweifel! Eine Institution, die einem bis auf die Knochen korrupten Land unter seinem korruptesten Präsidenten rät alle Staatsbetriebe zu verkaufen, gehört sich zumindest wegen Beihilfe angeprangert, angeklagt und geschlossen. So, und einer dieser Herren ist nun unser Bundespräsident, der "unbequem" sein möchte. Anstrengen muss er sich dazu nicht sehr. ... unangenehm ist es schon, ihn ZWEIMAL als Repräsentanten unseres Landes zu haben. Wirklich wahr. Alle Bundespräsidenten, die unser Land bisher hatte, fand ich vertretbar und ich stand hinter jedem, selbst hinter Richard von Weizsäcker, der ja auch der CDU angehört, und sogar bei der Wehrmacht aktiv war, adelig ist, und eigentlich alles hat, was ich nicht mag. Dennoch, ich habe ihm seine "deutschpräsidiale versöhnliche Rede" abgenommen. Bei Herrn Köhler ist das nicht der Fall.

Herr Köhler hat in den Jahren, in denen er konnte, erst einmal so kräftig in die eigene Tasche geschafft, dass er es zum Präsidenten des IWF geschafft hat! Nun ist der von dort ausgeschieden, und nun will er "mehr Basisdemokratie"??? Was soll den dieser Unsinn? Jemand, der jahrzehntelang die Finanzdiktatur massgeblich mitgestaltet hat, hat sein ganzes Weltbild und Weltkonzept in fünf Jahren (mit über 50 Jahren) revidiert und kann sogar noch einem Volk vorgaukeln, dass er es ehrlich meint? ... genau dieser Attitüde  haben wir die aktuelle Weltwirtschaftskrise zu verdanken: der "Raffgier, solange ich kann, und wenn ich genug habe, predige ich Enthaltsamkeit". Und jetzt "FORDERT" (!!!) dieser Raffhals "mehr direkte Demokratie". Natürlich, so hat er es ja stets gemacht: noch einmal kann er nicht wiedergewählt werden, also kann er jetzt sagen, was er will, und er scheisst regelrecht auf diejenigen, die er repräsentieren soll. Frau Schwan hat schon vor Jahren für mehr direkte Demokratie geworben, und wurde als "Linke Spinnerin" abgetan, jetzt hat dieser "Ultrarechte Raffhals" die Wiederwahl gewonnen und "fordert" (!!!) genau das, was diese wahrscheinlich damals durch ihn selbst als solche abservierte "Linke Spinnerin" seit Jahren wünscht (!) ... und alle stimmen ein.

... hätte er mal in Argentinien mehr direkte Demokratie verlangt, bevor er ihnen diese unvergessliche Sauerei eingebrockt hat!

Andererseits scheint Herr Köhler erkannt zu haben (wie ich es seit Jahren sage ... nicht, dass Her Köhler mich kennt, noch dass ich jemals mit jemandem, der ihn oder seine Bekannten kennen könnte), dass diese ach so viel beschwätzte "Politikverdrossenheit" gar nicht existiert. NEIN! Wir sind nicht politikverdrossen! Uns interessiert Politik unheimlich ... aber genau da ist das Problem: sie ist "unheimlich". Der normale Durchschnittsbürger, der ja pro Woche im Schnitt 40 Stunden hart zu arbeiten hat, versteht die Politik nicht mehr! Die Parteien stellen uns Karriere- und Spotlight- (oder sonstwas)-geile Menschen vor, für die wir uns zu entscheiden haben, wenn wir der Partei nahe stehen ... wenn wir keiner Partei nahe stehen, müssen wir uns für einen Slogan entscheiden (hier in Spanien als plakatives Beispiel der absolut sinnentleerte Wahlspruch des (rechtsgerichteten) "Partido Popular": "Ahora soluciones" ("Jetzt Lösungen") ... WOW!) Danach bemerken wir, dass der von uns gewählte Politiker Lösungen bietet, die wir gar nicht wollten!

Niemand versteht mehr die Verbindlichkeiten, die ein Politiker vor seiner Kandidatur eingeht, deshalb ist der "normal wählende Bürger enttäuscht und wird den Radikalen auf den Leim gehen. Die Menschen mögen Demokratie und schätzen die Teilnahme an dem "grossen System", aber diejenigen, die unsere bürgerliche Teilnahme fördern sollten, sind ausgerechnet diejenigen, die uns den Spass daran gründlich versauen, indem sie "schmutzige Geschäfte" im Vorfeld abschliessen, beim Wahlkampf ihre Parteiprinzipien hinausposaunen, um sie dann, einmal im Amt (ohne Würden) auf schändliche Weise zu betrügen.

Herr Köhler: "alle wollen mehr direkte Demokratie", aber bevor das eintreten kann, ist es Ihre Aufgabe etwas in den Köpfen der Berufspolitiker zu ändern! ... mal sehen, ob Ihre Argentinien-Strategie noch einmal fruchtet! :-)

Ausserdem feiern wir heute (23/05/2009) 60 Jahre Grundgesetz. Ja, darüber freue ich mich!

... und der VfL Wolfsburg ist zum ersten Mal in seiner über 60-jährigen Vereinsgeschichte Deutscher Fussballmeister ... auch euch einen herzlichen Glückwunsch! Hoffentlich ist Bayern München für die nächsten Jahrzehnte erst einmal weg vom Fenster ... deutscher Fussbal ist zum Schreien langweilig geworden, seitdem nur noch Bayern oben mitmischt!

Zum Abschluss noch die Hammernachricht des Tages: Pringles sind ein Kartoffelprodukt! ... das wurde heute in England beschlossen, um Millionenbeträge von Procter & Gamble zu verlangen, die angeblich nicht die richtigen Steuern bezahlt haben! 

Muss es diese Unschärfen überhaupt jahrelang geben?

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